Karriere

Hiergeblieben!

Um an großen Marken zu arbeiten, müssen Kreative nicht Taschentuch wedelnd nach Hamburg, München oder Berlin ziehen. – Eine Fahrt nach Chemnitz reicht aus.

RIP, Metropolen-Mania. Kreativ-Karriere geht auch im Osten. Denn ostdeutsche Werbeagenturen drucken nicht mehr nur Flyer für den Container-Dienst im Nachbardorf oder gestalten Brötchentüten für die Bäckerei Müller. Hierzulande entstehen nationale Kampagnen für große Marken. Sachsen ist längst kein weißer Fleck mehr auf der Werbekarte. Mit nationalen Topkunden wie RWE spielt die zebra Werbeagentur in der Champions League der Großen mit. Geschäftsführer Tino Lang sieht diese Kunden als Heimvorteil für jene, die lieber Lokalpatriot sind und in der Region bleiben möchten:

„Für mich stellt sich nicht die Frage 'Was unterscheidet uns von Agenturen im Westen? Der Punkt ist stattdessen, dass wir mit zebra eine Art Insel für die Leute geschaffen haben, die hier Freunde und Familie haben oder aus sonstigen Gründen nicht wegziehen möchten. Wir haben A-Kunden, die man vielleicht eher bei einer Agentur mit 200 Leuten vermuten würde. Provinzialität kommt also nicht auf. Für uns sind diese Kunden der Beweis, dass Kreativität überall entstehen kann. Und für unserer Mitarbeiter die Chance, hierzulande für große Marken zu arbeiten.“

Der typische Kreative will mit seinen Ideen schnell in die Köpfe möglichst vieler Menschen. Erzählen können, an welchen Projekten er mitarbeitet – und stolz sein, wenn Gesprächspartner „seine“ Werbung kennen. Eine gewisse Kundengröße ist da hilfreich, sichert sie doch höhere Budgets und somit vielfältigere und umfassendere Aufgaben.

zebra ist größenmäßig mit 80 Mitarbeitern ein regionaler Leuchtturm, im Vergleich zu nationalen Flaggschiffen wie Scholz & Friends mit 800 Mitarbeitern, aber dennoch familiär. Die Agentur lässt Neulinge und Junior-Kreative direkt auf das Geschehen los, so Lang. Er vertraut darauf, dass viel Verantwortung zu zufriedenen und verantwortungsbewussten Mitarbeitern führt:

„Bei uns produziert niemand erst mal auf Probe. Stattdessen gibt es schnell Verantwortung für große Projekte. Unser Credo 'Du hast alle Möglichkeiten, nutze sie!‘ spricht erfahrungsgemäß genau die Leute an, die sich viel Freiheit wünschen und nicht alles vorgekaut bekommen wollen.“

Macher also, die zupacken, statt erst mal umständlich Zuständigkeiten zu klären. Peter Köster, Marketingchef der RWE Vertrieb AG, überzeugt dieser Tatendrang. zebra gewann RWE, die zuvor von Jung von Matt betreut wurden, 2013 in einem Pitch. Köster dazu:

„Wir haben einen Pitch mit bedeutenden, deutschen Agenturen gemacht. zebra überzeugte uns, weil sie die Bedürfnisse unserer Kunden genau kannten und in ein schönes Verhältnis zu unserem Angebot gesetzt haben. Der Standort spielte in diesem Fall durchaus eine Rolle – zebra besitzt große Kenntnisse in der Region, weil sie über Jahre mit unserer Regionaltochter enviaM zusammengearbeitet haben. Dieses Wissen ermöglichte den Transfer auf den gesamtdeutschen Markt.“

Laut Köster liegt die Agentur im bundesweiten Vergleich weit vorn. Wie Lang hält er Ost-West-Vergleiche dabei aber für irrelevant:

„Ich glaube, dass die Unterschiede über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung marginal sind. Interessanter ist das Joint Venture mit thjnk. zebra arbeitet dabei eher bottom-up, weil sie ihre Kommunikations- und Werbeideen vom Markt kommend entwickeln, was uns eine sehr hohe Qualität bringt.“

Überhaupt zeigt die Zusammenarbeit, dass zebra mit nationalen Größen auf Augenhöhe arbeitet. Im Fall RWE bestand die Stärke von thjnk laut Lang darin, die innovative Haltung, das „voRWEg gehen“, wie es im Claim zur Kampagne heißt, zu vermitteln. Die zebras hingegen präsentierten die beste Marktstrategie. In Chemnitz betreut Christiane Nake das Energieunternehmen. Sie arbeitet seit 21 Jahren für die Agentur und war die erste Mitarbeiterin. An ihrem Berufsweg lässt sich der Aufstieg zebras zum nationalen Player gut nachvollziehen:

„Die enviaM habe ich zehn Jahre lang betreut und bin quasi der Energieexperte in der Agentur. Deshalb habe ich nach dem Pitchgewinn die Leitung für die RWE übernommen – vor 20 Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, in Chemnitz für einen börsennotierten Konzern zu arbeiten. Als einer unserer größten Kunden gibt es für RWE quasi eine Agentur in der Agentur, bestehend aus einem 15-köpfigen Team. Für mich ist das aufregend und spannend, weil wir auf nationaler Ebene agieren.“

Neue Mitarbeiter, so Nake, würden die Namen großer Kunden sicher reizen. Bei ihr komme aber noch etwas anderes hinzu, eine Sache, die man dem Osten generell nachsagt: die familiäre Atmosphäre. Dass sie jedes Gesicht und nicht nur ihre Teammitglieder kenne. – Das muss Hamburg erstmal nachmachen.

(Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Content-Partnerschaft mit Sputnika.de)

17. November 2014